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Writing

Die Wurzeln des Writings liegen, wenn man es ganz genau nehmen will, vermutlich irgendwo in der Steinzeit, als Höhlenmenschen ihre Geschichten mit primitiven Bildchen an den Wänden ihrer Behausungen verewigten. Dieses Auf-sich-aufmerksam-machen-wollen, ist auch heute noch eine der Grundfesten moderner Graffitis (das Wort "Graffiti" leitet sich übrigens aus dem italienischen "il Graffito" = "das Gekratzte" ab).

Kein anderes Element des HipHops hat so wenige bekannte Stars, aber auch kein anderes Element steht in einem annähernd starken kontinuierlichen Konflikt mit dem Gesetz! Sind Graffitis nun Kunst oder Schmiererei?

Wenige wissen, dass es unter Writern es eine Art Ehrenkodex gibt, der z.B. ein Besprühen von Privathäusern oder gar antiken Gebäuden ausschließt! Vielmehr geht es Sprayern in erster Linie um ein wahrgenommen und gesehen werden innerhalb der Gesellschaft, unter Nutzung des "öffentlichen Raumes". Daher sind favorisierte Flächen vorrangig karge Betonwände, Brücken und natürlich die fahrenden Leinwände/Kunstmuseen: S-Bahnen!

Der Faktor "Fame" (Ruhm) spielt sicher auch beim B-Boying, DJing und MCing eine große Rolle, dennoch lange nicht in dem Maße, wie beim Writen! Dieses Eifern nach Anerkennung seitens der anderen aktiven Writer bringt, aufgrund des Gesetzeskonflikts, gezwungenermaßen dennoch eine eher stille Bekanntheit. So ist zwar das "Tag" und somit der Name des Writers bekannt, jedoch ist üblicherweise nicht bekannt, wer sich hinter diesem Kürzel verbirgt.

Jedes neue Kunstwerk wird mit solch einem "Tag" versehen, welches das jeweilige Kurzzeichen/Pseudonym des Graffiti-Aktivisten symbolisiert. Anfang der 70er, als das Writen in der Form wie wir es heute kennen in New York aufkam, war es eine Art Modetrend, hinter das selbst erwählte Pseudonym auch eine Info über die eigene Herkunft zu hängen. Wie in den zu der Zeit bekannten Namen "Julio204" oder "Taki183", konnten bspw. nach Namensabkürzungen auch Zahlen für Haus-, Straßen-, bzw. Bezirksnummern stehen.

Um ein "Tag" von den anderen hervorzuheben, bedarf es natürlich eines gut gemachten "Pieces". Pieces sind die kunstvollen Bilder und mehrfarbigen Schriftzüge, an denen sich leicht erkennen lässt, wie kompetent ein Writer arbeitet. Das Ziel liegt mit Sicherheit darin, dass so viele gut gemachte Pieces wie möglich mit dem eigenen Tag in Umlauf sind. Da diese Bilder meist in Nacht und Nebelaktionen entstehen, kommt zusätzlich die Herausforderung hinzu, nicht von den Cops "gebusted", also geschnappt/verhaftet, zu werden.

Oft hört man in Raptexten im Zusammenhang mit dem Writen den Begriff "Bomben gehen". Hierbei geht es um das nächtliche schnelle Sprühen an möglichst gefährlichen Plätzen, wie z.B. "Yards" (S-Bahn-Depots). Bombings dienen hauptsächlich dem schnellen ins-Gerede-bringen des eigenen Namens, auch gerade deshalb, weil ein gut gemachtes Bombing an einer riskanten Stelle für größeren Respekt in der Szene sorgt! Bombings erkennt man vor allem daran, dass sie meist eher grob "Fillings" haben (ausgemalt sind).

"Sketches" wiederum sind die in "Blackbooks" archivierten Zeichnungen und Skizzen, die mittlerweile sogar in einigen HipHop-Magazinen auf separaten Seiten veröffentlicht werden! Die Sketches sind, neben dem Writen in den sogenannten "Hall of fames" (öffentliche zum legalen Writen freigegebene Wände), die bisher wohl noch einzige Möglichkeit, diese Kunstform legal auszuüben.

Wie auch in den anderen Elementen des HipHops, gibt es beim Writen "Battles", also Wettkämpfe, die im illegalen Bereich auf ehrlose Weise oft durch das "Crossen" ausgetragen werden. Hierbei übermalt ein Writer das Piece eines konkurrierenden Writers mit seinem eigenen Bild. Dabei werden gerne chromsilberne "Cans" (Spraydosen) verwendet, da diese Farbe sehr gut deckt. Um detailliert Writen zu können, werden auf den Cans verschiedene "Caps" (Sprühaufsätze) montiert, die für verschiedene Sprühstrichstärken sorgen!

Es ist interessant zu sehen, dass in Ländern, in denen HipHop kommerziell noch nicht so ausgeschlachtet wurde, oft als erstes Anzeichen einer entstehenden HipHop-Kultur Graffitis auftauchen. Nach und nach folgen ihnen dann meist auch die anderen Elemente ans Licht der Öffentlichkeit. Aufgrund einer fehlender Vermarktungsmaschinerie in diesem Element, welche beim illegalen Writing ja zwangsläufig wegfällt, gibt es in der Kunst des Writens auch die wenigsten negativen Veränderungen durch "Sell out" (Ausverkauf). Das sollte den Aktivisten der anderen 3 Elemente doch zu denken geben!

Links:
        - DVD Spielfilm »Wholetrain«
        - Infos zum HipHop-Filmklassiker »Wild Style« (1982)

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